19:00:27 23.04.2017

MEISTER!!! AXSE BasCats am Ziel angekommen

22. April 2017, 18.10 Uhr, Graf-von-Stauffenberg-Halle zu Bamberg: Helena Chatzitheodorou wirft ein letztes Mal auf den Bamberger Korb. Im Hintergrund intoniert Walter Drück mit seinen Trommlern „Aufstieg! Aufstieg!“ Chatzitheodorous Wurf prallt vom Ring zurück, dann ertönt die Schlusssirene. Jubelnd reißt sie die Arme hoch, dann rennen die Spielerinnen von der Bank auf Spielfeld. Eine Jubeltraube bildet sich, Serena Benavente und Erica Carlson umarmen sich innig. Es ist vollbracht! Mit 64:58 gewinnen die AXSE BasCats ein wechselvolles, am Schluss dramatisches zweites Finale bei der DJK Brose Bamberg, sichern sich die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd und damit den Aufstieg in die 1. Basketball-Bundesliga der Damen.

Es war ein typisches Finalspiel, nur selten hochklassig, aber mit viel Kampf und sehr wechselvollem Spielverlauf. Die Nerven der zahlreich mitgereisten Heidelberger Fans wurden wahrlich arg strapaziert. Erwartungsgemäß gab Bamberg nach der deutlichen 31:61-Niederlage im ersten Finale noch einmal alles. Der erste Korb gelang zwar Sara Kranzhöfer, doch Bamberg konterte. Diesmal waren die Schützinnen wie Liisi Sokman und vor allem Janett Perv besser aufgelegt. Die BasCats fanden offensiv kaum mal freie Mitspielerinnen und verteidigten die Würfe nicht so gut wie vor einer Woche. Die 18:12-Führung für Bamberg nach dem ersten Viertel war verdient.

Serena Benavente hatte massive Rückenprobleme, was ihren Bewegungsabläufen deutlich anzumerken war. Sie traf auch ihre Würfe nicht, immer wieder sprangen sie vom Korbrand zurück. Zur Halbzeit wies sie noch keinen Punkt auf. „Es fehlen die Punkte von Serena und Erica“, meinte Christos Karavassilis in der Halbzeit. Carlson lieferte sich wieder einen unglaublichen Fight mit Victoria Waldner und musste sich auf mit einem Korberfolg und einem Freiwurftreffer begnügen. Zum Glück war Sara Kranzhöfer mit acht Punkten sehr gut drauf und glich gemeinsam mit Helena Chatzitheodorou die 27:22-Führung der Gastgeberinnen zum Halbzeitstand von 27:27 aus.

Viktoria Krell sorgt für die Wende

Zu Beginn der zweiten Halbzeit stellte Trainer Dennis Czygan taktisch um. Viktoria Krell und Erica Carlson standen nun gemeinsam auf dem Feld und damit bekam Bamberg Probleme. Krell war die bestimmende Spielerin der ersten Minuten. Nachdem es in der ersten Halbzeit bei ihr nicht so gut gelaufen war, markierte sie in den ersten dreieinhalb Minuten des dritten Viertels acht Punkte. Bärenstark im Offensivrebound, erkämpfte sie sich und ihren Mitspielerinnen zweite Chancen. Ihr kämpferischer Einsatz war großartig. Mit einem 9:0-Lauf sorgten die AXSE BasCats für Stimmung bei ihrem Anhang. Helena Chatzitheodorou mit einem Distanztreffer und Serena Benavente mit ihrem ersten Feldkorb erspielten eine 42:31-Führung. Einen Dreipunktetreffer von Liisi Sokman beantwortete Marlene Angol ihrerseits mit einem Dreier und sorgte wenig später mit einem Korb zum 49:36 für die höchste Führung des Spiels. War das die Vorentscheidung? Nein, sie war es nicht.

Bamberg kam zurück – und wie. Viertelübergreifend gelang ihnen vor allem dank der überragenden Estin Janett Perv (elf Punkte binnen fünf Minuten) ein 13:0-Lauf und plötzlich stand es 54:51 für Bamberg. Bange Minuten für die Heidelberger Fans, auch eine Auszeit von Dennis Czygan konnte den Lauf nicht stoppen. Das große Zittern begann, die Partie drohte völlig zu kippen, aber genau in diesem Moment waren Serena Benavente und Erica Carlson da. Sie übernahmen Verantwortung und volles Risiko. Mit einem Dreier und zwei sicher verwandelten Freiwürfen brachte die Kapitänin ihr Team wieder in Führung. Carlson verwandelte einen Mitteldistanzwurf und stand wenig später zum ersten Mal völlig frei unter dem Korb und verwandelte zum 54:60. Ihre Kontrahentin Victoria Waldner, die 40 Minuten auf dem Feld stand, hatte sie für einen Moment „vergessen“.

Vier Minuten und 14 Sekunden waren noch zu spielen. „BasCats, BasCats“ schallte es von den Rängen. Knapp zwei Minuten passierte nichts, dann stand erneut Erica Carlson an der Freiwurflinie.  Beide Würfe gingen rein – 54:62. Noch einmal punktete Waldner, dann zog Laurien Lummer unnachahmlich zum Korb und zog das Foul. Einen Freiwurf konnte sie verwandeln – 56:63 und noch eineinhalb Minuten zu spielen. Waldner wollte noch nicht aufgeben und markierte ihre Punkte 15 und 16. Nur noch 58:63, doch die AXSE BasCats brachten den Vorsprung über die Zeit. Der Kapitän blieb 14 Sekunden vor Schluss per Freiwurf der letzte Punkt der Partie vorbehalten, der zweite Freiwurf prallte vom Ring zurück. Dann war endlich Schluss. Die Heidelberger Fans auf der Tribüne standen längst, bejubelten den Sieg, den Titel und den Aufstieg.

Meisterjubel

Der Weg ist das Ziel, heißt es. Es war ein langer Weg bis zu diesem Meistertitel. Die Freude, der Jubel war dementsprechend. Unvergessliche Szenen spielten sich ab. Freudentänze, Freudentränen, Emotionen pur. DBBL-Geschäftsführer Achim Barbknecht nahm die Siegerehrung vor. Eine Spielerin nach der anderen bekam ihre Goldmedaille. Riesengroß war auch die Freude bei Trainer Dennis Czygan und Manager Stephan Winkler. Dann bekam Kapitänin Serena Benavente den Meisterschild und reckte ihn unter dem Jubel ihres Teams nach oben. Es folgte das Abklatschen mit den Trommlern, den Fans, Freunden, Eltern und Bekannten. Dann musste die Reuse dran glauben. Stück für Stück schnitten sich die Spielerinnen ihre „Trophäe“ ab, Serena Benavente schwenkte schließlich das Netz triumphierend über ihrem Kopf.

Der Aufstieg ist auch finanziell möglich

Auf der Rückfahrt von Bamberg nach Heidelberg folgte dann im Bus die entscheidende Ansprache von Trainer Dennis Czygan. Noch wusste die Mannschaft nicht, was er zum Thema Aufstieg sagen würde. Die ganzen Monate hatte sich das Team nur auf das Erringen der Meisterschaft konzentriert. Zunächst bedankte er sich beim Team. „Wir haben es gepackt, wir sind Meister, wir haben eine Wahnsinns-Saison gespielt. Heute war es ein richtiger Fight, dieses Team hat es verdient, Meister zu werden. Wir haben viele Jahre dafür gearbeitet. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch mit sechs Abgängen gehabt. Aber der Kern ist zusammengeblieben, das war mir immer wichtig. Die Hinrunde war schon bärenstark, in der Rückrunde haben wir manchmal etwas geschwächelt. Aber was wir im Halbfinale gespielt haben und jetzt im Finale gespielt haben – wir haben die Meisterschaft so was von verdient und ich bin mega stolz.

Finanziell ist der USC leider nicht auf Rosen gebettet, aber in den letzten Wochen haben wir nach dem Artikel in der RNZ – der war super – viele Leute angesprochen. So wie ihr als Team gespielt  und so wie ihr die Leute unterhalten habt, wie ihr als Mannschaft zusammen gehalten habt, das hat vielen Menschen extrem imponiert. Nach diesem Artikel hatte ich einige sehr, sehr gute Gespräche. Wenn wir Bock darauf haben, und wenn alles so weiter läuft, dann haben wir die Chance, auf jeden Fall 1. Liga zu spielen. Und ich habe da echt Bock drauf, das mit Euch zu machen, und wir ziehen unser Ding durch, und wir werden noch den einen oder anderen an Bord holen und dann unser Ding rocken nächste Saison. Ich bin mir da ganz sicher. Danke Mädels, danke liebe Sponsoren, danke liebe Fans!“

Stenogramm: 5:6 (2.), 14:9 (6.), 18:12 (10.), 22:17 (14.), 27:22 (17.), 27:27 (Halbzeit), 31:33 (23.), 31:42 (25.), 36:49 (28.), 43:51 (30.), 54:51 (34.), 54:62 (37.), 58:64 (Endstand).

Punkte AXSE BasCats: Carlson 12, Benavente 11/1, Angol 10/2, Kranzhöfer 8, Krell 8, Chatzitheodorou 8/1, Lummer 6, Meusel 1, E. Hofmann, Letkova.

Beste Werferinnen bei Bamberg: Perv 20/1, Waldner 16, Sokman 13/3.

Rebounds: 48:36 (Krell 11, Carlson 10, Team 6) – Waldner 15, Landwehr 7, Perv 4, Zeis 4, Team 4).

Wurfquote aus dem Feld (BasCats/Bamberg): 30:45%

Dreierquote: 30:25 % (4/13:5/20)

Freiwurfquote: 62:87%

Stimmen zum Spiel:

Trainer Dennis Czygan: „Bamberg hat wie erwartet heute noch einmal alles reingehauen. Unsere Verteidigung hat zunächst nicht so funktioniert, wir waren in der ersten Halbzeit recht nachlässig und haben nicht so hart verteidigt wie im ersten Finale. In der zweiten Halbzeit sind wir mit Vicky Krell und Erica Carlson gleichzeitig gestartet. Die beiden zusammen konnte Bamberg nicht mehr halten. Wir waren dann mit elf Punkten vorne, haben aber Janett Perv nicht ernst genug genommen. Plötzlich waren wir drei Punkte hinten. Doch wie dann die Bank die fünf Spielerinnen auf dem Feld unterstützt hat, das war Wahnsinn. Erica und Serena haben schließlich für die Wende gesorgt. Serena war mit Rückenschmerzen arg angeschlagen. Ich habe ihr nur wenig Pausen gegeben, damit der Rücken nicht kalt wird.

Meine Gedanken beim Schlusspfiff? Ich war ziemlich leer. Einerseits habe ich mich über das Spiel geärgert, andererseits war die Freude sehr groß. Ich habe an all die Spielerinnen gedacht, die in den letzten Jahren dabei waren. Alle haben ihren Anteil daran. Oli Muth und ich vergessen nicht, wie viele daran beteiligt waren. Jürgen Fuchs war der erste Trainer, den ich geholt habe. Und eines möchte ich klar stellen: Ohne Axel Semblat wäre das heute nicht möglich gewesen. Nur durch seine Unterstützung als Namenssponsor konnten wir nach dem großen Umbruch letzten Sommer weitermachen und Spielerinnen wie Vicky Krell und Martina Letkova holen.“

Serena Benavente: „Basketball ist einfach eine geile Sportart. Es war ein klassisches Finalspiel. Bamberg hat gekämpft, und es war alles nicht so leicht wie letztes Wochenende. Beim Schlusspfiff habe ich einfach nur tief durchgeatmet und mir gesagt: „Geschafft!“ Als Kapitänin muss ich immer Verantwortung zeigen, das Team mitreißen, anfeuern und weiterkämpfen. Meinem Rücken ging es heute wirklich nicht gut. Jetzt sind wir Meister. Ich hatte noch nie etwas gewonnen, nun habe ich die Möglichkeit bekommen. An die 1. Liga denke ich heute Abend noch nicht. Der Sprung von der Regionalliga in die 2. Liga war sehr groß, der in die 1. Liga wird noch viel, viel größer sein.“

Sara Kranzhöfer: „Es war ein Auf und Ab heute und deutlich schwieriger als letzte Woche. Beide Teams waren auf Augenhöhe, und es war sehr physisch unter dem Korb. Bamberg war viel treffsicherer als im ersten Finale. Unsere starke Defense hat dann im dritten Viertel zu dem Lauf geführt. Aber, wie man bei unseren elf Punkten Vorsprung gesehen hat, reichen ein, zwei Distanztreffer für die Wende. Der Sieg war noch nicht abgesichert, Bamberg stand nicht ohne Grund im Finale. Serena und Erica haben dann die entscheidenden Punkte gemacht. Nach so einem harten Finalspiel fühlt man sich noch toller, die Meisterschaft gewonnen zu haben. Beim Schlusspfiff war es einfach ein unheimlich tolles Gefühl. Die Last fällt ab, und man will nur noch mit dem Team feiern und den Moment genießen.

Es war ein langer Prozess bis hierher. Dennis Czygan hat immer auf die Jugend gesetzt. Mit vielen Ausländern kann man schnell nach oben kommen und kurzfristigen Erfolg haben. Mir kommt es nicht so vor, dass ich schon 14 Jahre Basketball spiele und das immer beim USC. Es wird ein paar Wochen dauern, zu realisieren, was heute passiert ist. An die 1. Liga denke ich heute nicht, heute zählt nur die Meisterschaft.“

Erica Carlson: „Es ist ein großartiges Gefühl, diese Meisterschaft errungen zu haben. Zu wissen, dass man Meister werden kann, ist etwas anderes, als es erreicht zu haben. Ich bin jetzt fünf Jahre hier und habe die stetige Vorwärtsentwicklung miterlebt. Für uns alle ist ein Traum wahr geworden. Die Siegerehrung war großartig, und es war toll, dass heute so viele Fans von uns dabei waren. Ich bin sehr gespannt auf die nächste Saison in der 1. Liga.“

Martina Letkova: „Ich fühle mich einfach toll. Ich war wirklich nervös heute. Es war nicht mein bestes Spiel heute, aber ich freue mich natürlich zusammen mit dem Team. Als wir kurz vor Schluss  mit sechs Punkten vorne lagen, habe ich in die Gesichter der Mädels geschaut, und ich habe nie etwas Vergleichbares in meinem Leben gefühlt. Es war einfach überwältigend.“

Michael Rappe

Meisterjubel! Foto: Tom Eisele