12:35:42 16.04.2017

Im Angriff zu grün gegen routinierte Heidelbergerinn

Wenn zwei Mannschaften die identische Feldwurfquote aufweisen und auch das Reboundverhältnis nahezu ausgeglichen ist, müssen die Gründe für eine 30-Punkte-Niederlage zwangsläufig woanders liegen. Die Spielerinnen der DJK Brose Bamberg wussten, worauf sie das hart klingende 31:61 (12:26) im ersten Spiel der “best-of-three“-Finalserie um den Titel in der 2. Planet Photo Damen-Basketball-Bundesliga Süd am Samstagabend bei den AXSE BasCats USC Heidelberg zurückzuführen hatten, alleine verhindern konnten sie es an diesem Tag nicht.

Dass Cheftrainer Ulf Schabacker seinen Schützlingen in der Nachbesprechung dennoch Respekt zollte, mag im ersten Moment irritierend klingen, ist bei näherer Betrachtung aber vollkommen nachvollziehbar. Trotz hoher Fehlerquote, fehlender offensiver Durchschlagskraft und dementsprechend weniger Erfolgserlebnisse verteidigten Liisi Sokman & Co. über 40 Minuten mit vollem Einsatz. Hätte in Anbetracht der Tatsache, dass sie das Momentum zu keinem Zeitpunkt auf ihrer Seite hatten, die Enttäuschung gesiegt, es wäre menschlich gewesen. Dass seine Truppe aber auf verlorenem Posten Moral bewies, wusste Schabacker zu schätzen: „Heidelberg hat 61 Punkte gemacht, ein Drittel davon an der Freiwurflinie. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Mannschaft, die sich vorne quasi überhaupt nicht belohnen kann, hinten nicht irgendwann nachlässt oder aufgibt. Die Verteidigung ist unsere Basis, mit der wir im Heimspiel besser aussehen wollen. Unsere Offensive war heute einfach schlecht. Wir haben den Ball nicht gut bewegt, waren nicht zwingend genug und oft zu ungeduldig. Die BasCats haben speziell auf unseren Aufbau viel Druck ausgeübt, waren mehr drin im Spiel und sind allgemein einfach routinierter.“

Dass auf der einen Seite die 16-jährige Julia Förner in ihrem erst fünften Playoff-Spiel Regie führt, und auf der anderen die 32-jährige, mit allen Wassern gewaschene US-Amerikanerin Serena Benavente, ist ein Faktor. Dass im Duell zweier intensiv und finalwürdig verteidigender Mannschaften am Ende ein Freiwurfverhältnis von 5:37 bei einer Foulverteilung von 31:12 zu Buche steht, ein anderer. Ankreiden lassen müssen sich die Bambergerinnen vor allem aber ihre 24 statistisch erfassten Ballverluste. Technische Fehler, schlechte Pässe und Unkonzentriertheiten spielten den Gastgeberinnen dabei zunehmend in die Karten. Nach beiderseits von einer Mischung aus Nervosität und Tatendrang geprägten Anfangsminuten nahm der Favorit mehr und mehr das Heft des Handelns in die Hand. 3:3 nach fünf Minuten, 5:8 nach dem ersten Viertel und 12:26 zur Halbzeitpause lasen sich aus DJK-Sicht die Stationen einer ersten Hälfte, in der sich die offensiven Schwierigkeiten bereits abzeichneten. Auch nach dem Seitenwechsel war im Grunde nur Victoria Waldner, die das Centerduell mit Erica Carlson klar für sich entschied, zur Stelle. Die weiteren Optionen waren entweder in der Verteidigung des Gegners gut aufgehoben oder hatten bei den wenigen sich bietenden Gelegenheiten zu allem Überfluss auch noch Pech im Abschluss.

Auf diese Weise setzte sich die Heimmannschaft sukzessive ab (40:22, 30. Minute) und ließ, wie es Trainer Dennis Czygan ausdrückte, die Muskeln spielen. Selbst dann noch, als Schabacker längst in die Niederlage eingewilligt hatte und nach und nach seine Youngsters aufs Feld schickte. „Das Ergebnis für sich liest sich natürlich alles andere als erbaulich, ist aber morgen schon nicht mehr interessant. In den Playoffs brauchst du einfach ein kurzes Gedächtnis. Bemerkenswert bleibt für mich auch nicht die Heidelberger Überlegenheit, sondern die Tatsache, dass unser Team mit sieben Spielerinnen, die 18 oder jünger sind, in diesem Finale steht. Dass heute nicht mehr drin war, heißt nicht, dass wir am Samstag in eigener Halle ebenfalls chancenlos sind. Es wird so oder so das letzte Heimspiel für uns sein und ich hoffe sehr, dass viele Zuschauer den Weg in die Halle finden. Die Mannschaft hat es sich durch ihre Leistungen und ihre Entwicklung in dieser Saison absolut verdient“, so Manager Sebastian Hader. Zum zweiten Aufeinandertreffen kommt es am Samstag um 16.30 Uhr in der Bamberger Graf-Stauffenberg-Halle.

AXSE BasCats USC Heidelberg: Benavente (11), Letkova (9), Carlson (8), Angol (7), Kranzhöfer (7), Krell (5), Meusel (5), Lummer (4), Hofmann, Palenickova
DJK Brose Bamberg: Waldner (13), Förner (5), Zeis (5), Perv (3), Furman (2), Landwehr (2), Hesselbarth (1), Gese, Hager, Hartmann, Sokman