14:34:11 13.11.2017

Hurricanes stolpern in die Krise

Rotenburg - Von Matthias Freese. Von Krise wollte keiner sprechen. Utz Bührmann als Vorstandsmitglied nicht, Trainer Mahir Solo erst recht nicht. „Aber frustrierend ist es auf jeden Fall“, gestand Pia Mankertz, die Kapitänin der Avides Hurricanes. Ihre Zweitliga-Basketballerinnen stecken nach einer 52:53 (19:28)-Heimniederlage gegen den Tabellendritten TuS Lichterfelde Berlin weiter im sportlichen Tief. Es war die vierte Niederlage im sechsten Spiel für den Bundesliga-Absteiger, der eigentlich um die Play-off-Ränge mitspielen will und sich nur auf Rang acht wiederfindet.

„Es steigt ja nur einer ab“, meinte Mankertz mit Blick auf das noch sieglose Schlusslicht Citybasket Recklinghausen. Doch sie schob gleich hinterher: „Es ist nicht unser Anspruch, als Vorletzter aus der Saison zu gehen.“ Ihr Coach wollte indes von einer Platzierung unter den besten vier Teams, so der Wunsch der Vereinsführung, nichts wissen: „Das war nie mein Ziel.“ Und er betonte: „Es ist keine Krise. Wir hatten einfach schon viele Probleme mit Verletzungen und ein hartes Anfangsprogramm.“

Insbesondere der Ausfall von Hannah Pakulat ist kaum zu kompensieren, das wurde gegen die Gäste aus der Hauptstadt deutlich. Die beste Rebounderin im Team hat inzwischen die Diagnose für ihre vor einer Woche erlittene Verletzung im rechten Knie erhalten: Innenbandanriss. „Vier Wochen Pause, das geht ja noch“, meinte sie selbst. Ohne die 22-Jährige waren die Hurricanes bei den Rebounds wieder einmal unterlegen (35:44). Aber auch die anderen Statistikwerte waren teilweise unterirdisch. Mit einer 25-prozentigen Trefferquote aus dem Spiel heraus ist ein Sieg fast ausgeschlossen, elf verworfene Freiwürfe sind ebenfalls „katastrophal“, wie Solo fand. „Gut war nur unsere Defense, aber wenn du so einen Beginn hinlegst und drei Viertel schlecht spielst, ist das kaum aufzuholen“, wusste der Coach, der sich das erschreckend schwache Spiel meist mit verschränkten Armen anschaute.

Eine ähnliche Haltung nahm auch Rolf Ludwig, der Vorsitzende des TuS Rotenburg, auf der Tribüne ein. In der Pause forderte er mehr Emotionen vom Team samt Trainer und übte bereits Kritik. In der Tat agierten die Hurricanes lange Zeit viel zu statisch, kamen kaum zu Fastbreaks und legten fast alles daneben.

Erst nach siebeneinhalb Minuten gelangen Shaniqua Nilles die ersten Feldkörbe – 3:6. Auch der Dreier-Doppelpack von Mankertz und Lotta Stach zum 18:23 brachte keinen Rückenwind (18.). Vereinzelte Pfiffe von den Rängen waren zu hören. Bis auf 14 Punkte zogen die von der ehemaligen Bundestrainerin Alexandra Maerz gecoachten Berlinerinnen davon, die 17-jährige Jugendnationalspielerin Nyara Sabally kam am Ende auf 16 Punkte und 20 Rebounds.

Dennoch setzten die Hurricanes tatsächlich noch zur Aufholjagd an. Vielmehr war es Kapitänin Mankertz, die fast sämtliche Verantwortung übernahm und ihr Team quasi als „Alleinunterhalterin“ heranführte. Per Dreier glich Nilles in der 36. Minute aus, mit einem überlegten Wurf brachte Andrea Baden gar die Führung, die Nilles drei Minuten vor dem Ende auf 44:41 ausbaute. Doch mit dem fünften Foul von Cassidy Clark (38.) wechselte auch die Führung wieder. 19 Sekunden vor Schluss lag Berlin mit 51:47 vorne, Mankertz sorgte per Dreier und von der Freiwurflinie vier Sekunden vor Ultimo noch für das 52:52 – doch aus der Verlängerung wurde nichts. Nilles foulte Sabally – und die verwandelte einen Freiwurf.

„Das ist sehr ärgerlich gewesen“, fand auch Utz Bührmann, während Pia Mankertz nach der schon dritten Heimniederlage kritisch feststellte: „Wir tun uns in der ersten Halbzeit immer sehr schwer mit dem System, was wir spielen. Und wenn Cassidy dann mit fünf Fouls raus ist, wird es für uns schwierig in der Zone. Wir haben das Spiel aber nicht in den letzten Sekunden verloren, sondern eher am Anfang.“ Dieses Manko gilt es schnell abzustellen, sonst droht den Hurricanes tatsächlich noch eine ernsthafte Krise.

Rotenburger Kreiszeitung