22:30:07 05.11.2017

HTC-Damen stutzen Engeln die Flügel

Herner TC fegt Spitzenreiter mit 67:46 aus der Halle. Gegen die bissige Defense und den Dreierhagel im ersten Viertel ist kein Kraut gewachsen.

Herner TC - TH Wohnbau Angels 67:46  (28:13, 9:14, 22:10, 8:9)

HTC: Kuijt (12/2 Dreier), Jill Bettonvil (11/1), Bussey (9/3), Slim (9/1), Range (9/1), Cooley (5), Loyce Bettonvil (4/1), Karic (4), Attura (4), Polleros, Zolper, Krizanovic.

Nördlingen: Schlott (12/2), Pierre-Louis (11, 10 Reb.), Hill (11), Racic (6), Luisa Geiselsöder (4), Mäkitalo (2), Högg, Laura Geiselsöder, Steinmeyer.

Statistik (HTC -- Angels): Zweierquote: 41 % (14/34) – 42 % (14/33); Dreierquote: 38 % (9/24) – 15 % (2/13); Freiwurfquote: 86 % (12/14) – 80 % (12/15); Rebounds: 35 (25 def., 10 off.) – 30 (25, 5); Turnover: 13 – 14.

Dass in der höchsten Liga des deutschen Damen-Basketballs ein Team unter 50 Punkten bleibt, ist alles andere als alltäglich. Ob dieses Schicksal jemals zuvor einen Spitzenreiter ereilt hat, mögen Statistikfans erforschen. Am Samstag jedenfalls ist es passiert: Mit einem 67:46-Erfolg holte ein begeisternd aufspielender Herner TC die Engel aus Nördlingen aus dem Basketball-Himmel, in dem sie sich nach ihrem Erfolg über Wasserburg am letzten Sonntag gewähnt haben mögen. Es war eine Demonstration Herner Teamworks und ein Auftritt voller Lust und Leidenschaft, und niemand, der sich die Live-Übertragung des deutschen Fußballklassikers geschenkt hatte, ging im Gefühl nach Hause, etwas verpasst zu haben. Im Gegenteil.

Auch Marek Piotrowski bekam sein typisches Grinsen hernach kaum aus dem Gesicht. „Ich weiß ja nicht, ob Sie es schreiben dürfen: Aber es ist schon ein geiles Gefühl, den Tabellenführer unter 50 zu halten und ihn mit 21 zu schlagen“, strahlte der Herner Chefcoach. „Ich kann der Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen. Wir hatten uns vorgenommen, alles reinzuhauen, um mit einem Sieg und einem guten Gefühl in die Länderspielpause zu Gehen.“ Diese Vorgabe habe sein Team perfekt umgesetzt und damit den nächsten Schritt in der positiven Entwicklung geschafft. „Unser Sieg war verdient, und zwar auch in dieser Höhe“, fand der „Magier“.

Was er ausgeheckt hatte, um den Höhenflug der Angels unsanft zu stoppen, wurde vom Sprungball an deutlich: Die Hernerinnen suchten den Erfolg vor allem über eine bissige und extrem bewegliche Defense. Im Wechsel kümmerten sich Emina Karic und Karin Kuijt um die Nördlinger Spielgestalterin Jennifer Schlott, ließen ihr keine Luft und engten ihre Kreise wirkungsvoll ein. Mit unbändigem Kampfgeist stürzte sich Jill Bettonvil in die beinharten Duelle mit Reboundmonster Pierre-Louis, mit der gleichen Aggressivität nahmen sich andere Hernerinnen der gefährlichen Racic und Hill an. Weil auch die gegenseitigen Hilfen klappten, waren den Engeln damit die Flügel gestutzt.

In der Offense spielten die HTC-Ladys dann eine weitere Stärke aus: ihre Unberechenbarkeit. Wieder trauten sich fast alle Spielerinnen Würfe auch aus der Distanz zu. Den ersten Dreier setzte Kuijt zum 7:2 (3.) in die Nördlinger Reuse, und als Katlyn Bussey das erste Viertel mit zwei Dreiern zum 28:13 beendete, hatten vier verschiedene HTC-Spielerinnen insgesamt bereits sechsmal von jenseits der 6,75m-Linie getroffen. Für die Engel war das schwer zu verteidigen.

Auf diesem Niveau konnte es aber nicht weitergehen. Im zweiten Viertel stoppte der Dreierhagel, die Herner Würfe fielen nicht mehr. Bis zur 17. Minute gelangen dem HTC nur noch drei Punkte durch Brettspielerin Alecia Cooley. Weil aber die Defense weiter funktionierte, konnten die Gäste nur beim 31:22 (15.) ihren Rückstand noch einmal in den einstelligen Bereich verkürzen.

Geschlagen aber gaben sie sich noch lange nicht. Als Schlotts verzweifelter Buzzer-Beater mit dem Pausensignal zum 37:27 vom Brett in den Ring flutschte, schöpften sie neue Hoffnung. Doch der HTC zeigte diesmal auch in seinem üblichen Zitterviertel keine Nerven. Jill Bettonvil (2) und Courtney Range (3) stellten direkt nach Wiederbeginn auf 42:27, und nach vier Gästepunkten beendeten Karic, Kuijt, Isabella Slim und Jill Bettonvil mit einer 11:0-Serie zum 53:31 (26.) das letzte Nördlinger Aufbegehren.

So konnte es sich Piotrowski erlauben, ab Mitte des letzten Viertels nach und nach drei WNBL-Mädchen aufs Parkett zu schicken – ein runder Abschluss eines gelungenen Basketball-Abends. Das macht Lust auf mehr. Bis zum nächsten Heimspiel gegen Marburg aber müssen sich die Fans drei Wochen gedulden. Das kommende Wochenende ist spielfrei, danach geht’s zu den Turnschwestern nach Hannover.

 

05.11.2017 / Waz Herne / Wolfgang Volmer