22:37:39 03.12.2017

HTC-Damen scheitern an ihrer Kopflosigkeit

Hernerinnen liegen in Chemnitz lange auf Siegkurs, geben in der Crunchtime aber einen Fünf-Punkte-Vorsprung her und verlieren in letzter Sekunde.

 



Kaum zu fassen. Ein einziges Mal lagen die ChemCats gegen den Herner TC vorne, und das in der letzten Sekunde. Statt sich auf den dritten Rang vorzuschieben, beendeten die Bundesliga-Damen des HTC die Hinrunde nach einer ebenso unnötigen wie selbst verschuldeten Niederlage im tief verschneiten Sachsen auf Platz sechs. Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis: Ohne die „sechste Frau“, ihr heimisches Publikum, sind die HTC-Ladys nur die Hälfte wert.

Dabei sah es lange so aus, als stünde dem zweiten Auswärtssieg nichts im Weg. Nach ausgeglichener Anfangsphase (6:6/4. Minute) zogen die Gäste auf 16:6 (7.) davon und bauten ihre Führung zu Beginn des zweiten Viertels auf 14 Punkte aus (16:30/13.). Bis dahin hatten für Herne bereits acht von neun Spielerinnen gepunktet, während für Chemnitz allein Asoro und Vidal Geneve scorten – das eindeutig stärkere Team lag klar auf Siegkurs.

Doch Katzen kratzen. Auch die ChemCats kuschten nicht, sondern fuhren ihre Krallen aus. Zunächst ohne größere Schäden anzurichten. Bis Mitte des dritten Viertels blieb der Herner Vorsprung im komfortablen Bereich, und als Jill Bettonvil zum 34:48 (24.) traf, war für HTC-Trainer Marek Piotrowski alles noch in bester Ordnung.

Aber das sollte sich ändern. „Wir haben wirklich eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Aber dann haben wir plötzlich ganz schlecht verteidigt, und unsere Würfe fielen auch nicht mehr“, wunderte sich Piotrowski über einen eklatanten Leistungsabfall, den Chemnitz zu einem 12:0-Run nutzte. Beim 46:48 (30.) waren die Katzen wieder dran, und auch wenn Alecia Cooley die sechsminütige Herner Durststrecke noch vor der Drittelpause mit einem Korb zum 46:50 beendete, war jetzt wieder alles offen.

Im Schlussviertel blieb es eng. Auf Chemnitzer Seite lief nun Valerie McQuade heiß, für den HTC hielt Katlyn Bussey dagegen, der die ersten acht Herner Punkte dieses Abschnitts gelangen. Zum 53:53 (33.) glichen die Cats erstmals aus, dann setzte sich der HTC wieder leicht ab. 78 Sekunden vor Schluss führte Herne mit 62:57 – um danach „alles falsch zu machen“, wie Piotrowski zürnte. Nach Karin Kuijts Freiwurftreffern zum 61:64 hatte Chemnitz noch elf Sekunden. „Nur keinen Dreier zulassen“, mahnt Piotrowski in der Auszeit – und muss fassungslos mit ansehen, wie Bussey Vidal Geneve beim erfolgreichen Korbleger foult. Der Bonus-Freiwurf sitzt, es heißt 64:64. 6,80 Sekunden sind noch auf der Uhr. Piotrowski nimmt Auszeit, sagt den Spielzug an. Aber dazu kommt es erst gar nicht. Kuijt steht beim Seiten-Einwurf regelwidrig auf der Linie, der Ball ist weg. Auszeit Chemnitz, fünf Sekunden auf der Uhr. Der Ball kommt zu Klerx, die legt ihn mit der Sirene in den Korb. Herne ist geschlagen, der Trainer stinksauer: „Unsere Kopflosigkeit wurde bitter bestraft.“
Quelle: Wolfgang Volmer/WAZ